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Süßigkeiten der 70iger Jahre

Ein paar Münzen in der Hand, der Kiosk schon in Sicht: So begann für viele Kinder in den 1970er Jahren der schönste Moment des Nachmittags. Die Süßigkeiten der 70er Jahre waren nicht einfach Naschkram. Sie waren eine Entscheidung, eine kleine Freiheit, eine Währung unter Freunden. Was lohnte sich für zehn Pfennig? Was hielt am längsten? Und was teilte man lieber nicht?

Westdeutschland und die DDR hatten in diesem Jahrzehnt sehr unterschiedliche Süßwarenregale. Im Westen brachte Ferrero fast im Jahrestakt neue Produkte auf den Markt. Im Osten waren es die Volkseigenen Betriebe, die ihre eigenen Klassiker schufen, manche davon bis heute unvergessen. Was beide Seiten teilten: die Idee, dass Süßigkeiten etwas Besonderes waren und nicht selbstverständlich.

Am Kiosk entschied das Taschengeld

Der Kiosk war in den 1970er Jahren der wichtigste Laden im Leben eines Schulkindes. Keine Selbstbedienung, keine Warteschlange an der Kasse, sondern ein direktes Gespräch mit jemandem hinter der Theke, vor dem große Gläser mit losen Bonbons standen. Man zeigte, was man wollte, bekam es abgewogen oder abgezählt, und zahlte mit dem, was die Hosentasche hergab.

Das Besondere an dieser Einkaufssituation war das Abwägen. Für zwanzig Pfennig bekam man entweder eine Handvoll einzelner Bonbons aus dem Glas, einen kleinen Fruchtgummibeutel oder ein Brausepulver. Wer strategisch dachte, wählte das, was am längsten hielt. Wer es spontan und sauer mochte, griff zur Brause. Wer teilen wollte, nahm eine Tüte Goldbären.

Manches kam auch aus England. Rowntree’s Fruit Drops, die harten Fruchtbonbons in der runden Metalldose, und die weicheren Fruit Pastilles mit dem Zuckerüberzug fanden über gut sortierte Kioske und Kaufhäuser ihren Weg nach Deutschland. Rowntree’s war eine der bekanntesten britischen Süßwarenmarken, bevor das Unternehmen 1988 von Nestlé übernommen wurde. Wer sie kannte, mochte sie meistens sofort.

Das Ei, das die Welt veränderte

Das einschneidendste neue Produkt der westdeutschen Süßwarengeschichte dieser Dekade erschien 1974: das Kinder Überraschungsei von Ferrero. Die Idee war simpel und genial zugleich: Eine Schokoladenoberseite, darunter eine weiße Innenseite aus Milchcreme, und ganz innen eine gelbe Plastikkapsel mit einem Spielzeug. Für Kinder war das Spielzeug der eigentliche Inhalt, die Schokolade nur der Anlass.

Ferrero hatte bereits 1968 die Kinder Schokolade eingeführt und 1970 Duplo auf den Markt gebracht, den langen Schokoriegel mit Haselnusscreme, der mit dem Slogan „Das längste Stück der Welt“ beworben wurde. Hanuta und Nutella waren ebenfalls Ferrero-Produkte dieser Jahre. Der Konzern dominierte das westdeutsche Kindersüßwarenregal mit einer Konsequenz, die kaum ein Mitbewerber schaffte.

Parallel dazu veränderte Milka sein Gesicht. Seit 1972 warb die lila Kuh für die Schokoladenmarke und machte die Alpenfarbe zur stärksten Farbassoziation in der deutschen Süßwarengeschichte. Das Lila saß im Kopf. Wer eine Milka-Tafel aus dem Regal nahm, nahm sie auch deshalb, weil die Farbe sofort erkennbar war und Verlässlichkeit signalisierte.

Und dann war da noch Raider. Wer heute Twix hört, denkt an denselben Riegel, der in den 1970ern und 1980ern in Deutschland Raider hieß: zwei Keksstäbe mit Karamell, überzogen mit Milchschokolade. Erst 1991 wurde der Name weltweit auf Twix vereinheitlicht, begleitet von einem der bekanntesten deutschen Werbeslogan überhaupt: „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.“ Für alle, die in den 70ern aufwuchsen, bleibt es Raider.

Goldbären, Maoam und das Prickeln der Brause

HARIBO Goldbären gab es seit 1960, aber in den 1970ern waren sie überall. Die goldene Tüte war der Standard unter den Fruchtgummis: fünf Farben, fünf Geschmacksrichtungen, ein fester Biss, der länger dauerte als man dachte. Wer eine Tüte kaufte und sie mit Freunden teilte, hatte sofort ein Thema: Wer nimmt welche Farbe, wer verzichtet freiwillig auf die grünen.

Maoam war das Gegenteil in der Konsistenz: weich, zäh, fruchtig, intensiver im Geschmack. Die bunten einzeln eingewickelten Kaustreifen waren bereits seit den 1930er Jahren auf dem Markt. In den 70ern kosteten sie wenige Pfennige pro Stück und lagen deshalb immer am Kiosk bereit.

Ahoj Brausepulver war seit 1925 auf dem Markt und in den 70ern ein Dauerbrenner. Das Pulver ließ sich in Wasser auflösen, wurde aber viel öfter direkt aus der Tüte geleckt. Das Kribbeln auf der Zunge kam von der Reaktion zwischen Zitronensäure und Natriumhydrogencarbonat. Wer das nicht wusste, wusste nur: Es prickelt, es schmeckt, man will mehr.

  • HARIBO Goldbären: Die fünffarbige Standardtüte, geteilt oder komplett allein verspeist. In den 70ern gab es noch keine Sonderformate, nur die eine Tüte in der einen Größe.
  • Maoam: Weiche, zähe Kaustreifen in Fruchtgeschmack. Einzeln verpackt, einzeln kaufbar, einzeln sehr langsam genossen.
  • Ahoj Brausepulver: Seit 1925, aber in den 70ern auf jedem Kiosk. Direkt aus der Tüte am überzeugendsten.
  • Rowntree’s Fruit Drops: Harte Fruchtbonbons aus England in der runden Metalldose, daneben die weicheren Fruit Pastilles mit Zuckerüberzug. Wer sie kannte, kaufte sie immer wieder. Rowntree’s gehört seit 1988 zu Nestlé.
  • PEZ: Der amerikanische Bonbonspender mit wechselbaren Figuren war auch in Deutschland angekommen. Das Figürchen oben war oft wichtiger als der Inhalt.
  • Schaumküsse (Dickmann’s): Die schokoladenumhüllten Schaumgebilde aus Marshmallow gab es bereits seit den 1950ern und gehörten fest zum Kioskalltag.
Süßigkeiten der 70iger Jahre: Brause Pulver
Süßigkeiten der 70iger Jahre: Brause Pulver

Was in der DDR im Regal stand

Das Süßwarenangebot in der DDR folgte einer anderen Logik. Es gab keine Werbekampagnen mit Lila Kühen, keine jährlichen Produktneuheiten von Ferrero. Stattdessen produzierten die Volkseigenen Betriebe verlässliche Klassiker, die Jahrzehnte stabil blieben und deren Geschmack bis heute von vielen Menschen mit einer spezifischen Art von Kindheit verbunden wird.

Halloren Kugeln kamen aus Halle an der Saale, aus der ältesten noch betriebenen Schokoladenfabrik Deutschlands. Die kleinen, mit verschiedenen Cremes gefüllten Schokoladenkugeln waren ein DDR-Klassiker mit langer Geschichte und sind bis heute erhältlich. Wer in der DDR aufwuchs, kennt den Geschmack, wer im Westen groß wurde, lernte ihn meist erst nach der Wende kennen.

Nudossi war das DDR-Pendant zu Nutella: eine Nussnougatcreme, die im VEB Süßwarenkombinant Delitzsch produziert wurde. Sie schmeckte anders als Nutella, war fester in der Konsistenz und hatte einen intensiveren Nussgeschmack. Nach der Wende wurde Nudossi zunächst eingestellt und später wiederbelebt. Für viele Ostdeutsche ist die Marke bis heute eine Identitätsfrage.

Waldmeister war kein Produkt, sondern ein Geschmack, der in der DDR viel stärker präsent war als im Westen: der grüne, leicht süßliche Geschmack der Waldmeisterpflanze, der Götterspeise, Bonbons und Limonaden färbte und einen unverwechselbaren Ton trug. Wer ihn kennt, erkennt ihn sofort. Wer ihn zum ersten Mal probiert, fragt sich, was das sein soll. Diese Spaltung ist bis heute spürbar.

Bonbons, die ewig hielten

Bonbons der 70er Jahre und Lutscher

Wer wenig Taschengeld hatte und lange was davon haben wollte, kaufte Bonbons. Harte Bonbons lösten sich langsam auf und hielten zehn, fünfzehn Minuten, manchmal länger. Storck Riesen waren das Gegenteil: weich, karamellig, klebrig. Sie hielten am Gaumen, an den Zähnen und an der Jackentasche. Das war kein Fehler, das war der Zweck.

nimm2 von Storck war die Süßigkeit, die Eltern akzeptierten: fruchtig, mit Vitaminen angereichert, so vermarktet, dass das Naschen fast wie Gesundheitsfürsorge wirkte. Wer als Kind nimm2 kaufte, musste zu Hause weniger diskutieren. Das Bonbon war seit 1962 auf dem Markt und in den 70ern fest etabliert.

Werthers Echte erschienen 1969 auf dem deutschen Markt und verbreiteten sich in den 70ern schnell. Die cremige Karamellnote, das langsame Schmelzen, die goldene Einzelverpackung: Diese Bonbons wurden sofort mit Großeltern assoziiert, mit stillen Nachmittagen und dem Geruch nach altem Holz. Das war kein Zufall, sondern die präziseste Positionierung in der Bonbongeschichte.

Was davon noch zu kaufen ist

Die meisten dieser Produkte gibt es noch: HARIBO Goldbären, Maoam, Ahoj Brause, Kinder Überraschungsei, Duplo, Milka, Ritter Sport, nimm2, Werthers Echte, Halloren Kugeln, Nudossi. Rowntree’s Fruit Drops und Fruit Pastilles sind ebenfalls erhältlich, heute unter dem Nestlé-Dach. Der Geschmack ist nicht mehr ganz derselbe wie damals. Rezepturen ändern sich, Zucker wird durch andere Süßungsmittel ersetzt, Fette werden ausgetauscht.

Was komplett verschwunden ist, sind die losen Bonbons aus dem Glas. Den Kiosk mit der Theke, dem Abwiegen und dem persönlichen Gespräch gibt es kaum noch. Das ist der eigentliche Verlust dieser Süßwarengeschichte: nicht das Produkt, sondern der Ort und das Ritual, das damit verbunden war. Kein Onlineversand für Retronaschereien ersetzt das Gefühl, mit ein paar Pfennigen vor einer Auslage zu stehen und zu entscheiden.

Raider heißt heute Twix. Sonst ändert sich nix, so hieß es 1991. Aber es hat sich doch etwas geändert: Das Wort Raider ruft bei allen, die in den 70ern und 80ern in Deutschland aufwuchsen, sofort ein Bild zurück. Twix ist ein Name. Raider war ein Kindheitsgefühl.

Dieser Beitrag wurde mit redaktionellem Wissen, vielen Erinnerungen und einem Stück KI zur Unterstützung erstellt.

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  • Beitrags-Kategorie:Essen & Trinken
  • Beitrag zuletzt geändert am:3. Oktober 2026